Samstag, 28. Januar 2012

Schneckenhäuser und Focus Stacking

Heute habe ich mal eine technische Spielerei für Euch: Ich habe ein interessanten Weg gefunden, mehr mit meiner Kamera anzustellen - da gibt es eine inoffizelle Erweiterung, die coole Sachen möglich macht - das meiste für Video-dreher, aber auch ein paar Dinge für normale Knipser wie mich.

Die für mich spannendsten Dinge, die ich schon entdeckt habe - und fast bedienen kann - sind Belichtungsreihen für HDR und für Focus Stacking.
Mit HDR habe ich ja schon beim letzten Mal rumgespielt, und werde noch üben müssen. An Focus Stacking habe ich mich bisher nicht rangetraut. Immerhin habe ich heute Ergebnisse erzielt.

Beim Focus Stacking geht es darum, dass man normalerweise nur eine gewisse begrenzte Tiefenschärfe erreichen kann, und Teile dann eben nicht scharf sind. Je größer die Brennweite, desto stärker wird dieser Effekt, und je geringer der Abstand, desto stärker.
Bei der Makrofotografie (wo man kleine Sachen ganz groß rausbringen will) muss man sich intensiv damit auseinandersetzen.
Hier mal ein Beispiel: Ich habe ein ganz tolles Objektiv, 90mm, Blende 2.8, das Makroaufnahmen im Maßstab 1:1 erlaubt - also das Objekt ist so groß auf dem Foto abgebildet wie es in der Natur ist. Mit der DoF App für iPhone und iPod kann man da schön ausrechnen, dass der Bereich der Schärfentiefe bei 1 Meter Abstand bei Blende 2.8 1,2 cm beträgt, so ähnlich wie hier:
Blende 2.8 - 1,2 cm reichen nicht mal für das vordere Schneckenhäuschen


Natürlich ist es schön doof, sowas mit Blende 2.8 zu fotografieren, aber auch bei einer recht optimalen Blende von 13 sieht die Sache nicht gut aus:

Blende 13 - gute 5 1/2 cm sind scharf - wie man sieht, ist das weniger als der Abstand
zwischen dem vorderen und dem hinteren Häuschen, aber das rechte ist schon etwas scharf

Mit Blende 32 dauert die Belichtung dann schon 1.6 Sekunden - gut dass die Schneckenhäuser nicht weglaufen. Blende 32 ist für Fotoenthusiasten nicht soo toll - das verschlechtert die Schärfe wegen der Lichtbeutung an der Blende schon wieder.

Blende 32 - 13 cm Schärfebereich, das reicht hier grade so :)

Eine Alternative ist Focus Stacking - man macht mehrere Aufnahmen, mit unterschiedlicher Schärfeeinstellung, und klebt die Bilder per Software übereinander. Dabei darf das Motiv auch nicht weglaufen, 5 Bilder dauern halt auch mehrere Sekunden.
Das genaue Ausrechnen und Einstellen erlaubt mir die nette Zusatzfunktion, und per CombineZM Freeware gelingt das Zusammenbauen.
Hier das Ergebnis:
Focus Stacking, aus 4 Bilder mit Blende 4 zusammengebaut -
die vordere Muschel ist nicht komplett scharf, da hätte mir noch ein Zwischenbild gefehlt,
aber der Rest ist knackscharf

Wem das zu technisch ist, der darf sich auch einfach nur die Schneckenhäuser anschauen.