Samstag, 23. Juni 2012

Alter Südfriedhof in München

Vor einigen Wochen war ich mit einer guten Freundin unterwegs im alten Münchner Südfriedhof. Hier liegen etliche "Prominente" aus dem letzten Jahrtausend, deren Namen man (auch) von Straßenschildern kennt. Neben Spaziergängern ist im alten Südfriedhof auch die Fotografendichte enorm. Gottseidank liegt der Mehrwert beim Fotografieren alter Grabstellen in der eigenen Gestaltung.



Ich muss sagen, mir ist die Nachbearbeitung schwer gefallen. Nachbearbeitung muss bei mir sein, weil ich beim Fotografieren selbst oft zu wenig nachdenke (auch bei "gefühlten" Bildern bearbeite ich nach). Meistens ist die Bearbeitung aber nicht so dramatisch, dass alles umgestaltet wird, aber gerade Feintuning bei Licht- und Schattenverteilung, Farbnuancen und letzten Korrekturen des Ausschnitts ist eigentlich sehr oft nötig. Meine Lieblingsfunktionen wie Teiltonung und Anpassung der Farbsättigung oder des Farbtons möchte ich aber nicht in der Kamera machen, sondern hinterher mit mehr Rechenpower und farbkalibriertem 24 Zoll Bildschirm statt Sucher bzw. 3 Zoll Display.
Da ich Bilder im RAW Format abspeichere, habe ich genügend Bildinformationen (64 mal so viel als bei JPEG), um noch was rumzureißen.

Ich schreibe mal auf, was ich mache (natürlich nicht im Detail). Ich arbeite mit Lightroom 4, also werde ich meistens Lightroom-spezifische Begriffe verwenden:

  • Ich importiere mit meiner Standardeinstellung: Knackige Kontraste, ein gutes Maß Klarheit und Dynamik, etwas entsättigt, ca. 25% Rauschreduktion (nicht unbedingt, weil mein Sensor so schlecht ist, sondern weil die Bearbeitung Rauschen mit sich bringt)
  • Dann schaue ich mir an, was die automatische Belichtungskorrektur aus den Bildern gemacht hat: Meist ist mir das zu extrem. Ich versuche auch (dank Lightroom 4 geht das einfach) meist die Tiefen und die Höhen etwas auszugleichen
  • Manchmal will ich Überbelichtungen, d.h. rein weiße Bildanteile in den "unwichtigen" Bildteilen, z.B. wenn der Himmel zu viel Kontrast hat und das nicht durch Verläufe kaschiert werden kann. Bei solchen Bildern setze ich dann auch gerne die Teiltönung der Lichter ein
  • Ich korrigiere Farben - meine Kamera macht mir zu viel Magenta (schöne Grüße an die Mitarbeiter des rosa Riesen, das ist nicht persönlich gemeint), und manchmal habe ich eine andere Vorstellung als die Kamera, wie die Farbe sein soll.  Dazu kann man auch am Weißabgleich schrauben
  • Und bevor ich mich komplett in den technischen Details verliere, schaue ich noch mal hin: welchen Gesamteindruck möchte ich eigentlich haben? Soll das Bild heller, dunkler, kräftiger, entsättigter sein? 
  • Welcher Ausschnitt gefällt mir besser (das ist nicht immer der Gleiche wie bei der Aufnahme)
  • Und meistens zum Schluss wird es wieder technisch: Sensorflecken entfernen, einfache störende Objekte entfernen oder wegschneiden, Schärfe prüfen, Rauschverhalten prüfen
  • Danach kommt die finale Bewertung durch meine bessere Hälfte (und mich)
So, und hier kommen jetzt die Bilder. Meistens geht es um Details oder etwas außergewöhnliche Perspektiven (hoffe ich). 
Ich habe ein paar nicht so begeisternde Bilder drin gelassen, damit die Technikverliebeten unter Euch sehen, dass man nicht alles im Nachhinein verbessern kann (zumindest nicht mit vernünftigem Zeitaufwand)

Freizeit im Friedhof Anno 2012 (nicht 1928)
hier sollte zu viel aufs Bild, darunter leidet die Komposition

Lebendig und tot - Brunnenfontäne vor Grabmälern

Schwarz-weiss und grün - wenn die Kamera bei der Aufnahme
nicht parallel zu den Flächen ist, bekomme ich das auch
nachträglich nicht entzerrt
Von dem Spruch halte ich übrigens nicht viel

nochmal Leben auf dem Grabstein

nicht alle Grabsteine stehen mehr gerade
(wenn das  mal nicht positiv formuliert ist)

Grabfeldnummer 13 im Licht - ich liebe Überbelichtungen

Grabfigur mit sehr viel Grün (auch wenn es schon entsättigt ist)

Grabfigur von vorne und viel Licht
Blende 2.8 macht den Hintergrund schön unscharf
und zaubert Bokeh (runde Lichter) für die Techies

nochmal mit Perspektive

dieser Weihwasserbehälter wurde von der Natur erobert
nicht 100%ig Gerade, aber ich zeig es Euch trotzdem


Weitere Bilder von mir gibt es bei
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